Berufshaftpflicht vs. Betriebshaftpflicht vs. Vermögensschadenhaftpflicht

Du hast dich gerade selbstständig gemacht und benötigst nun den passenden Versicherungsschutz? Klar ist: Eine Haftpflichtversicherung muss her. Unklar ist aber leider oft, welche das sein soll. Auf der Suche nach deiner Haftpflichtversicherung bist du vielleicht schon über Begriffe wie Betriebshaftpflichtversicherung, Berufshaftpflichtversicherung und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gestolpert. Weiß man nicht genau, welche Schadensarten durch die verschiedenen Produkte abgesichert werden, kann schnell die falsche Wahl getroffen werden.

Damit dir das nicht passiert, findest du hier die wesentlichen Unterschiede kurz und unkompliziert zusammengefasst.

Welche Haftpflichtversicherung brauche ich?

Auf den ersten Blick ähneln sich die drei Versicherungen stark – und das nicht ohne Grund, denn sie sind alle zum Schutz vor Haftpflichtrisiken gegenüber Dritten konzipiert. Der wesentliche Unterschied liegt in den jeweils abgedeckten Schadensarten. Unterteilt werden sie grundsätzlich in Personen-, Sach- und Vermögensschäden.

Betriebshaftpflichtversicherung
Die Betriebshaftpflichtversicherung konzentriert sich auf Personen- und Sachschäden. Vermögensschäden, also rein finanzielle Schäden, werden nur übernommen, wenn sie aus vorangegangenen Personen- und/oder Sachschäden resultieren. Diese Art von Vermögensschäden werden auch unechte Vermögensschäden oder Vermögensfolgeschäden genannt.

Brauche ich eine Betriebshaftpflichtversicherung?
Eine Betriebshaftpflichtversicherung macht vor allem bei Handelsbetrieben, Gastronomien, Handwerksbetrieben, Schönheitspflegebetrieben, Baugewerben und produzierenden Unternehmen Sinn. Kann beispielsweise das eigene Produkt, die Dienstleistung oder schlicht der tägliche Kundenverkehr potenziell einen Personen- oder Sachschaden verursachen, ist der Unternehmer mit einer Betriebshaftpflichtversicherung gegen finanzielle Bedrohungen und für den Fortbestand des eigenen Unternehmens abgesichert. Die Betriebshaftpflicht empfiehlt sich also für jeden Gewerbetreibenden mit Kundenkontakt, eigenen Räumlichkeiten oder Mitarbeitern.

Typischerweise gefährdete Tätigkeiten sind unter anderen:
Handwerker, Baugewerbe, Handelsbetriebe, Bürobetriebe, Schönheitspflege, produzierende Unternehmen.

Schadenbeispiel für die Betriebshaftpflichtversicherung:
Eine Kundin rutscht im Kosmetikstudio auf dem frisch gewischten Fußboden aus und verletzt sich, weshalb sie ihren Flug am Abend nicht antreten kann. Sowohl der Personenschaden (Verletzung) als auch der daraus folgende (unechte) Vermögensschaden (verpasster Flug) werden von der Betriebshaftpflichtversicherung der Studiobesitzerin abgedeckt.

Berufshaftpflichtversicherung
Bei der Berufshaftpflichtversicherung wird oft auch von einer Betriebshaftpflichtversicherung mit integrierter Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gesprochen, da sie neben Personen- und Sachschäden zusätzlich auch sogenannte echte Vermögensschäden abdeckt. Zu echten Vermögensschäden kommt es, wenn finanzielle Schäden an Kunden, Mandanten, Patienten etc. direkt auf die berufliche Tätigkeit des Versicherungsnehmers zurückgeführt werden können.

Brauche ich eine Berufshaftpflichtversicherung?
Die Berufshaftpflichtversicherung bietet umfassenden Schutz für alle mit eigenen Räumlichkeiten, Mitarbeitern, Kundenkontakt und erhöhtem Risiko für Vermögensschäden. Dienstleister, Selbstständige und Freiberufler, die in ihren Büros und Kanzleien Kunden und Mandanten empfangen und zusätzlich durch ihre beratende, prüfende, begutachtende oder verwaltende Tätigkeit dem Risiko ausgesetzt sind, ihren Kunden einen finanziellen Schaden zu verursachen, können sich mit einer Berufshaftpflichtversicherung sowohl gegen die Risiken durch Kundenverkehr (Personen- und Sachschäden) als auch gegen echte Vermögensschäden durch Fehlberatung und ähnliches absichern.

Typischerweise gefährdete Berufe sind unter anderen:
Rechtsanwälte, Steuerberater, Versicherungsberater usw.

Schadenbeispiel für die Berufshaftpflichtversicherung:
Ein Makler vermittelt einem Ehepaar ein Haus, versäumt jedoch, sie über einen Baufehler zu informieren. Nachdem der Baufehler bemerkt wird, stellen die Kunden hohe Schadensersatzforderungen an den Immobilienmakler. Nach einer Prüfung der Forderung wird der Vermögensschaden von der Berufshaftpflichtversicherung übernommen.

Vermögensschadenhaftpflichtversicherung
Die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung schützt nur gegen echte Vermögensschäden und nicht gegen Personen- und Sachschäden.

Brauche ich eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung?
Dienstleister, Freiberufler und Unternehmen, die ohne Kundenverkehr arbeiten und unter anderem beratende, planende, prüfende und verwaltende Tätigkeiten ausführen, wie beispielsweise IT-Dienstleister, können sich mit einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gegen branchentypische Schadensrisiken absichern. Entsteht dem Kunden, Mandanten o.Ä. durch die berufliche Tätigkeit des Unternehmers ein finanzieller Nachteil oder Schaden (echter Vermögensschaden), wird dieser von der Versicherung übernommen.

Typischerweise gefährdete Berufe sind unter anderen: IT-Dienstleister, Gutachter, Mediaagenturen, Finanz- und Versicherungsberater.

Schadenbeispiel für die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung
Ein IT-Dienstleister löscht im Zuge eines Datenbankupdates versehentlich die gesamte Datenbank des auftraggebenden Kunden. Die Kosten für den Mehraufwand durch manuelle Wiederherstellung der Datenbank trägt die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung des IT-Dienstleisters.

GV-Tipp:
Für einige Berufe und Tätigkeiten sind bestimmte Haftpflichtversicherungen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Denk daran, rechtzeitig zu überprüfen, ob das auch auf dich zutrifft.

In unserer Grafik siehst du nochmal auf einen Blick, welche Versicherung für dich in Frage kommt.

BHV-BERHV-VH

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